Flash-Crash im Silber

Heute früh staunten einige Trader im Silber Markt nicht schlecht, als sie an Ihre Trading Station gekommen sind. Hoffentlich hat niemand vor Schreck seinen Kaffee in die Tastatur geschüttet.
In der Nacht kam es im Silber erneut zu einem Flash-Crash. Warum erneut?
Nun ja – bereits am 26.06.2017 gab es im Gold-Markt einen mini-Flash-Crash, der auch andere Edelmetalle wie Silber und Platin mitgerissen hat. Allerdings bewegte der Kursverlust sich dort noch im Rahmen. Gold verlor an diesem Tag innerhalb einer Minute 18 Dollar an Wert (was einer prozentualen Veränderung von knapp 1,5% entspricht), im Silber lag der Kursverlust bei 42 Cent oder 2,5% Kursbewegung. Woher dieser Mini-Crash kam blieb wie so oft für den privaten Anleger ungeklärt. 

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  Mini Flash-Crash im Gold Future

Aufgrund des plötzlichen hohen Volumens geht man allgemein davon aus, dass es sich um einen sogenannten „Fat-Finger“ Fehler gehandelt hat. Das bedeutet, ein Trader gibt versehentlich eine deutlich größere Position in seine Handelsplattform ein, als er geplant hat. Im Falle von Gold wurden innerhalb einer Minute 18.000 Kontrakte allein an der Comex gehandelt. Das entspricht 1,8 Millionen Unzen Gold. In Trader-Kreisen wurde vermutet, dass ein unerfahrener Händler Unzen und Kontrakte durcheinander gebracht hat. Anstelle 18.000 Unzen (180 Kontrakte) hat er 18.000 Kontrakte in die Plattform eingegeben. 
Möglich ist das durchaus, was aber auffällt, ist dass die Preisbewegung im Silber zur selben Zeit noch größer ausgefallen ist.

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Mini Flash-Crash im Silber Future

Bis auf denjenigen, der die Order platziert hat, wird wohl kaum jemand wissen, was der Grund für diese Bewegung war. Es ist auch durchaus denkbar, dass ein großer Hedgefonds diese Bewegungen wissentlich hervorgerufen hat.

Und nun hatten wir heute Nacht einen noch deutlich ausgeprägteren Flash-Crash im Silber. Seltsamerweise hat sich diese Bewegung weder auf Gold, noch auf andere Edelmetalle oder Währungen übertragen. Weshalb ich auch nicht wirklich an einen „Fat-Finger“ am 26.06. im Gold glaube. Denn dann hätte sich die Kursbewegung, die zudem auch noch viel kleiner war als die heute Nacht, auch nicht auf andere Märkte übertragen.
Heute Nacht verlor Silber innerhalb weniger Sekunden fast 10% an Wert, nur um ein paar Minuten später fast den gesamten Kursverlust wieder korrigiert zu haben. Und das Ganze unter geringem Volumen. Die sehr umsatzschwache Uhrzeit hat die Bewegung mit Sicherheit noch verstärkt. Der Move begann um ca. 01:05 Uhr in der Nacht, also kurz nach Open des japanischen Handels.

Tickchart Silber

Silber im 5-Ticks-Chart

Was bedeutet das nun für Trader, die Positionen über Nacht halten? Honorige Swingtrader wie Peter Brandt predigen seit längerem keine Stops in den umsatzschwachen Nachtsessions zu benutzen. Das ist sicher eine Möglichkeit, besonders in den Rohstoffmärkten, in denen es zur Nachtsession oft wirklich nur magere Umsätze gibt. Das birgt allerdings das Risiko eines quasi unbegrenzten Verlustes, wenn eine solch unerwartete Bewegung einmal nicht wieder zurück geholt wird.
Ich bin eher dafür, nur in Märkten Positionen über Nacht zu halten, bei denen man auch einen deutlich größeren Stop als den geplanten verkraften kann. Wenn der gehandelte Kontrakt so groß ist, dass der eingeplante Stop schon 5 oder 6 Prozent vom Konto ausmacht, und es kommt in einem derartigen Flash-Crash zu einer Auslösung des Stops mit einer Slippage die 10-fach oder 15-fach so groß ist wie der Stop selbst, dann ist das Konto quasi ausradiert. Bei Traderisiken zwischen 0,6 und 1,0 Prozent vom Konto ist solch ein Verlust zwar schmerzhaft, aber noch zu verkraften. Das ist einer der Gründe, warum ich meine Trades prinzipiell mit sehr geringen prozentualen Risiken aufbau.

Egal ob Stop oder nicht, am Ende geht es immer darum, dass das Risiko des einzelnen Trades nicht zu groß gewählt wird. Ich persönlich werde lieber mit einem größeren Verlust als geplant ausgestoppt, als in Extremsituationen vielleicht gar nicht mehr aus einer Position raus zu kommen. So kann es in verschiedenen Märkten durchaus passieren, dass ein Markt „Limit-Up“ oder „Limit-Down“ ist. Das bedeutet, dass die maximal zugelassene Kursspanne des Tages erreicht ist, und der Handel bis zum Beginn des nächsten Handelstages ausgesetzt wird. Ich habe selbst schon erlebt, dass ein solcher Markt am nächsten Handelstag mit einem derartig großen Gap eröffnet, dass nach der ersten Transaktion bereits wieder das Limit erreicht wird und der Handel erneut unterbrochen wird. In solchen Situationen sitzt man als Trader im ungünstigsten Fall auf riesigen Verlusten.

Im aktuellen Fall von Silber hat die CME bislang das Tief der Nachtsession noch nicht korrigiert, die Bewegung war also „echt“, aber Trader aus meinen Kontakten haben bereits berichtet, dass Ausführungen von Stops im Nachhinein korrigiert worden sind, teilweise sogar um mehr als 50 Cent (im Silber Future sind das immerhin 2.500 Dollar pro Kontrakt).